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Müller Martini: Etikettenproduktion preiswert gemacht
Etikettendruck ist eine Domäne der Flexodruckmaschinen. Die Vorzüge dieser Maschinen sind bekannt, auch qualitativ konnten Fortschritte gemacht werden. Damit ist fast alles gesagt. Oder lohnt es sich doch weiter zu lesen über neue Entwicklungen im Bereich der UV-Offset-Rollendruckmaschinen? Müller Martini hat eine neue technische Lösung zum formatvariablen Drucken vorgestellt, die das Qualitätsniveau des Offsets für andere Anwendungen erschliesst.

Der Etiketten- und Verpackungsmarkt ist in Bewegung gekommen. Die Konsumzurückhaltung der Verbraucher hat zu Umsatzeinbußen im Handel geführt und gleichzeitig den Druck auf die Markenhersteller erhöht. Dieser Entwicklung wird Rechnung getragen; immer aufwändigere Effekte und immer höhere Qualität der Etiketten sollen die Kunden am Regal zum Kauf der Produkte animieren.

Höherwertige Etiketten gehen einher mit höheren Herstellkosten in den Druckerein. Eine Weitergabe dieser erhöhten Herstellkosten an die Handelsketten ist nicht durchsetzbar. Dadurch geraten die Margen der Druckereien unter Druck.

Wie kommt man aus dieser Zwangslage heraus? Diese Thematik war das bestimmende Thema beim letzten Open House in Maulburg. Anlässlich des 40jährigen Jubiläums führte Dr. Dillmann aus, dass Müller Martini seiner traditionellen Kundschaft Maschinen anbietet, mit denen in den angestammten Geschäftsfeldern sehr erfolgreich agiert wird. Die neu entwickelte formatvariable Rollendruckmaschine Alprinta stellt die Plattform dar, mit der Müller Martini in zusätzliche Märkte und Anwendungen eintreten wird.

Die Maschine wird in zwei Baubreiten angeboten (520 mm und 740 mm). Standardmäßig bietet Müller Martini die bekannten Formatkassetten mit der Maschine an. Ergänzend hierzu hat Müller Martini im Rahmen des Open House einen voll formatvariablen Einschub vorgestellt. Die als Nass-Offset-Einschub ausgeführte Konstruktion beinhaltet Plattenzylinder, Gummituchzylinder und einen Gegendruckzylinder. Bei einem Formatwechsel verbleibt der Einschub in der Maschine und es werden nur die eigentlichen Formatteile, der Gummituchzylinder und der Plattenzylinder gewechselt.

Der Wechsel erfolgt ohne Werkzeuge. Die leichten, aber extrem stabilen Formatteile sind konsequent auf die Anforderungen des Offset-Prozesses abgestimmt und heben sich somit von den bisher bekannt gewordenen Konstruktionen ab. Dieser konstruktive Unterschied ist die Voraussetzung dafür, dass die hohe Qualität des Alprinta-Farbwerkes auf das Substrat auch in hoher Qualität übertragen wird.

Müller Martini zeigte am Open House eine Etikettenproduktion auf OPP-Rollenmaterial und führte den Kunden einen Auftrag- und Formatwechsel an der Demomaschine vor. Die Besucher zeigten sich von den Rüstzeiten an der Maschine und der Qualität der gedruckten Etiketten sehr beeindruckt. Damit war bestätigt, was Dr. Jürgen Dillmann eingangs der Veranstaltung meinte, als er sagte „Wir wollen mit unserer Demonstration Anregungen für neue Geschäftsideen geben, und wir sind davon überzeugt, dass der Markt der flexiblen Verpackungen und ein Teilmarkt der Etikettenproduktion durchaus interessant für Alprinta-Betreiber ist.“

Etikettendrucker setzen heute Flexomaschinen, Tiefdruckmaschinen und zu einem großen Teil Bogenoffsetmaschinen ein. Aktuelle Anforderungen an Etiketten, die zum Teil aus der Verpackungsverordnung resultieren, verschieben die Geschäftsfelder zwingend zum Rollendruck. Einstoffgebinde aus Kunststoffmaterialien erfordern den Einsatz von Rollendruckmaschinen. Abfüllanlagen arbeiten zunehmend mit Etiketten von der Rolle. Die Etiketten werden heute zu einem großen Teil von Flexomaschinen gedruckt.

Mit der Alprinta bietet Müller Martini eine sehr einfach und schnell im Format umstellbare Maschine an, die Produktionsgeschwindigkeiten von bis zu 450 m/min erreicht. Die Stärke des Konzeptes liegt in der Flexibilität und im Kostenvorteil der Offsetplatte gegenüber den Kosten eines Flexo-Klischees. Die Qualität des Flexodrucks wird klar übertroffen. Der modulare Baukasten des Maschinenkonzeptes ermöglicht einen Ausbau der Maschinen bis zu 12 Druckwerken. Wie in den Vorgängerbaureihen unterstützt die Alprinta selbstverständlich auch Hybridanwendungen von Flexodruck und Offsetdruck innerhalb einer Maschine. Müller Martini hat zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf die UV-Technologie gesetzt und kann auf gut 20 Jahre Erfahrung zurückblicken.

Müller Martini sieht die formatvariable Offset-Technologie als Ergänzung zu den bekannten Maschinenkonzepten. Zu den bereits erwähnten Vorteilen ist die Technologie viel flexibler als Tiefdruck. Müller Martini erwartet noch weitere Entwicklungsfortschritte bei den Druckfarben, die dazu führen würden, dass zunehmend Aufträge im UV-Offset gedruckt werden können, die heute noch zwingend im Tiefdruck hergestellt werden. Müller Martini ist überzeugt, dass sich mit der Qualität des Offsetdruckes neue Qualitätsstandards etablieren werden, die dann von den großen Markenartikelherstellern nachgefragt werden.

Eine eindeutig zu beobachtende Verschiebung ist im Getränkebereich bereits sehr weit fortgeschritten. Die klassischen Mehrwegflaschen und die bislang verwendeten Dosen werden von PET-Flaschen substituiert. Mit immer auffallenderen Formen versuchen die Marketingabteilungen das Interesse auf das jeweilige Produkt zu lenken. Die Etiketten müssen dann folgen. Das typische Etikett ist ein im Konterdruck produziertes Wrap-Around-Label oder ein als Shrink Sleeve ausgeführtes Etikett. Der Recyclinggedanke und der Kostenvorteil der Kunststoffmaterialien motivieren zum Umstieg von der Bogenmaschine auf die Rollendruckmaschine.

Chancen

Müller Martini sieht in der Technologie eine große Chance zum Eintritt in neue Segmente. Der offene Baukasten der Maschinen mit den hoch entwickelten elektronischen Steuerungssystemen bietet die volle CIP3/CIP4 Funktionalität. Selbstverständlich sind die Maschinen in das jeweilige EDV System des Druckhauses einbindbar und können somit mit der Vorstufe direkt verbunden werden.

Müller Martini sieht noch ein erhebliches Potential im Bereich des Einrichtprozesses und im Bereich der Anlaufmakulatur. Diese neue Maschinentechnologie, die weiteren Entwicklungen im Bereich der Druckchemie und die Anforderungen der Handelsketten werden zu neuen Produktionsformen führen und heute bestehende Konzepte verdrängen.

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