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Fachartikel
Digitaler Workflow in der Buchbinderei
An der drupa 2004 war das Thema „Workflow“ in aller Munde. Der Workflow ist allerdings keine neue Erfindung der drupa 2004, sondern bezeichnet lediglich die geordnete Abwicklung der täglichen Arbeit. Er umfasst den Warenfluss sowie den geordneten Datenfluss. Was ist unter digitalem Workflow zu verstehen und welche Instrumente stellt Müller Martini den Buchbindereien und Weiterverarbeitungsbetrieben heute zur Verfügung, um vernetzte Prozesse zu realisieren?

Geht bei einem Buchbinder ein Auftrag ein, hat dieser bereits einen langen und komplexen Arbeitsprozess durchlaufen. Die zu verarbeitenden Produkte besitzen zu diesem Zeitpunkt bereits eine sehr hohe Wertschöpfung. Für den Buchbinder kommt es darauf an, alles richtig zu machen. Denn die Ansprüche und der Kostendruck nehmen  weiter zu. Deshalb muss jeder Arbeitsschritt effizient, fehlerfrei und termingerecht ausgeführt werden.



Wie wird der Workflow optimiert?
Es ist sinnvoll, mit Hilfe der Vernetzung, Daten direkt aus den Arbeitsprozessen der Vorstufe und des Drucks sowie den Geschäftsprozessen zu generieren und für die Druckweiterverarbeitung zu nutzen. Während Druckvorstufe und Druck schon weitgehend vernetzt arbeiten, bestand im Postpress-Bereich bisher noch Nachholbedarf. Doch auch hier hat inzwischen eine rasante Entwicklung eingesetzt.

Es geht darum, die Prozesse so zu optimieren, dass die Buchbindereien besser, schneller, präziser und im Endeffekt billiger produzieren können. Müller Martini ist als Mitbegründer der CIP4-Organisation von Anfang an massgebend an dieser Entwicklung beteiligt. Ein Mitarbeiter des Unternehmens leitet die Arbeitsgruppe «Weiterverarbeitung». Die hier erarbeiteten Standards JDF (Job Definition Format) und JMF (Job Messaging Format) sind die Schlüsseltechnologien für einen effizienten Datenaustausch in grafischen Unternehmen.

Bei Müller Martini sind alle neu entwickelten Maschinen JDF-fähig. Die einheitliche Schnittstelle MM Port ermöglicht die direkte wechselseitige Kommunikation zwischen dem Management-Informations-System (MIS) des Kunden und der Weiterverarbeitung. Ausgetauscht werden wichtige Kennzahlen wie etwa Auftragsstatus, Maschinenzustand, Produktionsgeschwindigkeit oder auch aktuelle Brutto- und Nettostückzahlen.

Workflow-Lösungen von Müller Martini im Praxiseinsatz
Die Integration der Weiterverarbeitung in den Workflow der grafischen Industrie ist heute bereits in mehreren Betrieben realisiert. Doch wie funktioniert der Workflow mit JDF und JMF tatsächlich?

Das JDF kann mit der altbekannten Auftrags- oder Lauftasche verglichen werden. In elektronischer Form beinhaltet das Format alle relevanten Daten, um einen Auftrag reibungslos zu produzieren. Das hat den Vorteil, dass der gesamte Auftragszyklus – von der ersten kreativen Idee bis zum fertigen Endprodukt – dokumentiert wird. Da das JDF-Format kompatibel ist, kann es zwischen allen beteiligten Systemen mit entsprechender Schnittstelle ausgetauscht werden.

Ende des Jahres 2004 gab es sechs Installationen, bei denen Sammelhefter von Müller Martini nach CIP4-Standard integriert waren (in USA, England, Österreich und der Schweiz), weitere Implementierungen von Müller Martini-Sammelheftern in den digitalen Workflow sind in Australien, Frankreich und Japan geplant.

Auch sämtliche neuen Klebebindesysteme werden heute mit einer JDF-Schnittstelle auf den Markt gebracht. So waren bereits der an der drupa 2004 ausgestellte neue Klebebinder Bolero und der Frontschneider Frontero JDF-fähig. Auch die Dreischneider Merit S und Zenith S werden heute mit einer Steuerung neuer Generation verkauft und verfügen somit über JDF-Schnittstellen.

Die einzelnen Komponenten können untereinander vernetzt werden. Die Buchbindelinie bildet damit ein Device im Sinne von JDF. Über die offenen Standardschnittstellen JDF und JMF kann die Linie über  Ethernet mit dem MIS (Management Information System) des Kunden verbunden werden. - Gemeinsam mit der CIP4-Organisation testet Müller Martini verschiedenste MIS-Programme auf ihre Interoperabilität.

Müller Martini hat damit wichtige Voraussetzung zur Prozessoptimierung geschaffen und rät den Kunden bei Neuanschaffungen konsequent darauf zu achten, dass die neuen Maschinen in den JDF-/JMF-Workflow integriert werden können. Wichtig ist, zu erwähnen, dass nicht nur grosse Industriebetriebe Nutzen aus dem JDF/JMF-Standard ziehen. Auch kleinere Betriebe profitieren, indem sie ihren Workflow individuell optimieren und digitalisieren.

JDF-Workflow bringt zahlreiche Vorteile
Die Vorteile des JDF-Workflow liegen auf der Hand:

  • Mit JDF/JMF ist der Kunde nicht von einem Hersteller abhängig, sondern kann die Komponenten für die jeweiligen Prozessschritte im Workflow individuell beschaffen.
  • Daten müssen nur einmal erfasst werden und sind dadurch über den gesamten Produktionsprozess konsistent. Das eliminiert potenzielle Fehlerquellen, wie Doppeleingaben und Übertragungsfehler und erleichtert die Information bei Änderungen in letzter Minute.
  • In jedem elektronischen Job-Ticket sind sämtliche Planungs- und Produktionsdaten enthalten. Der Auftrag kann so besser terminiert und koordiniert werden, indem online via JMF der gesamte Produktionsstand kontrolliert wird. Produktionsplanung und Projektverfolgung sind wesentlich einfacher.
  • Die Einrichtzeit wird entscheidend verkürzt, da Produktionsparameter nicht neu eingegeben werden müssen.
  • Da die Produktionsdaten per JDF/JMF an die MIS zurückgeschickt werden, können die effektiven Produktionskosten in der Nachkalkulation einfach und genau berechnet werden.
  • JDF/JMF liefern jederzeit die richtigen Daten und ermöglichen damit die genaue Auswertung von Statistiken.

Müller Martini und CIP4
Müller Martini ist seit der Gründung von CIP4 im September 2000 Partner-Mitglied. Das internationale Konsortium zur Integration der Prozesse in Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung (CIP4 = The International Cooperation of the Integration of Processes in Prepress, Press and Postpress) definiert und erweitert den JDF/JMF-Standard, mit dem alle Prozesse der grafischen Industrie vernetzt werden können. Das Job Definition Format (JDF) ist XML-basiert auf bereits bestehenden Teillösungen wie dem Print Production Format (PPF) von CIP3 und dem Portable Job Ticket Format (PJTF) von Adobe. Müller Martini leitet die CIP4-Arbeitsgruppe «Weiterverarbeitung».

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