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Fachartikel
Workflow: Müller Martini setzt auf Vernetzung in der Weiterverarbeitung
Hand aufs Herz:“ Wie viele Briefe haben Sie in den letzten Monaten geschrieben, und wie viele haben Sie davon der Post zur Beförderung anvertraut?“ Vermutlich hat die elektronische Post (E-Mail) auch in Ihrem Betrieb und bei Ihnen daheim die konventionelle Briefpost längst ins zweite Glied zurück gedrängt. – So wie die elektronische Post Einzug in unserem Alltag gehalten hat, so hat sich der digitale Workflow im Verlaufe der letzten Jahre in der Weiterverarbeitung einen festen Platz erworben. Maschinen von Müller Martini haben in allen Teilen der Welt massgeblich dazu beigetragen, dass der digitale Workflow in einigen Betrieben bereits zum „State of the Art“ geworden ist.

Während Druckvorstufe und Druck schon seit vielen Jahren vernetzt arbeiten, hat der Postpress-Bereich  lange in seinem „Dornröschen-Schlaf“ geschlummert. Spätestens seit der Drupa 2004 hat hier jedoch ein rascher Entwicklungsprozess stattgefunden. Dabei geht es um nichts anderes, als die Arbeitsprozesse so zu optimieren, dass die Betriebe besser, schneller, präziser und im Endeffekt günstiger produzieren können.

Wichtige Vorreiter-Rolle der CIP4-Organisation
Müller Martini ist als Mitbegründer der CIP4-Organisation (CIP4 = The International Cooperation of the Integration of Process in Prepress, Press and Postpress) von Anfang an massgebend an dieser Entwicklung beteiligt. Mit Markus Schluep leitet ein Mitarbeiter des Unternehmens die Arbeitsgruppe Weiterverarbeitung im CIP4-Konsortium. Er unterstreicht: „Die von uns erarbeiteten Standards JDF (Job Definition Format) und JMF (Job Messaging Format) sind heute die Schlüsseltechnologien für einen umfassenden Datenaustausch in grafischen Unternehmen.“


Workflow-Experte Markus Schluep (rechts) unterstreicht, dass JDF und JMF heute die Schlüsseltechnologien für einen umfassenden Datenaustausch in grafischen Unternehmen sind.

Laut Markus Schluep können Maschinen, die von Müller Martini in den letzten Jahren entwickelt wurden, in einen JDF-Workflow eingebunden werden. „Wir arbeiten an einer einheitlichen Schnittstelle, die die direkte wechselseitige Kommunikation zwischen dem Management-Informations-System (MIS) des Kunden und der Weiterverarbeitung ermöglicht. Damit werden nicht nur die Auftragstasche, sondern auch wichtige Kennzahlen wie Auftragsstatus, Maschinenzustand, Produktionsgeschwindigkeit oder auch aktuelle Brutto- und Nettostückzahlen ausgetauscht.“

Bei Müller Martini sind folgende Systeme für die JDF-Vernetzung vorbereitet: Druck, Rotationsabnahme, Sammelheftung, Klebebindung, Buchlinien zur Herstellung von Hartdeckenbüchern und industrielle Gesamtlösungen für Book on Demand (SigmaLine).

Die Schritte zum digitalen Workflow
Bevor die Vernetzung in einem Betrieb angegangen wird, müssen alle Beteiligten verstehen, wie der gegenwärtige Arbeitsablauf funktioniert. Im nächsten Schritt gilt es zu definieren, wie ein zukünftiger Arbeitsablauf funktionieren soll und was optimiert werden kann. Dabei ist die Vernetzung unter Verwendung von JDF nur ein Mittel zur Umsetzung dieser Optimierung.

Es ist ratsam, die Einführung von JDF im Rahmen eines Projektes mit einem verantwortlichen Projektleiter durchzuführen, der den Überblick über alle zu vernetzenden Prozessabläufe hat. Ausser dem Willen und der Bereitschaft, die Abläufe entsprechend den Möglichkeiten der handelsüblichen Software und seiner Maschinen zu gestalten, sollte ein Betrieb über
- einen modernen Maschinenpark
- ein sauber aufgesetztes Computer-Netzwerk
- technische Workflow-Systeme (in Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung) sowie
- Produkte (Maschinen und Software), die über JDF-Schnittstellen vernetzt werden können,
verfügen.

Workflow-Lösungen von Müller Martini im Praxiseinsatz
Müller Martini bietet für jeden Betrieb, der seine Produktions-Systeme digital vernetzen will, die richtige Lösung auf Basis von JDF/JMF. So wurden mittlerweile in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Belgien, der Schweiz, Australien, Japan und den USA Sammelheft-Systeme von Müller Martini erfolgreich in den digitalen Workflow integriert. Einige Unternehmen haben sogar Auszeichnungen für die innovative Nutzung der Prozessautomatisierung erhalten, wie z.B.: Bauer Druck in Österreich oder Action Printing in den USA. – Alle neueren Sammelhefter-Typen von Müller Martini können heute in den digitalen Workflow integriert werden!

Auch im Klebebindebereich nimmt Müller Martini bei der digitalen Vernetzung eine Vorreiterrolle ein. Die erste JDF-Integration einer Klebebindelinie wird derzeit in den USA installiert. Über den Workflow-Controller lassen sich die Klebebinder der Typen Acoro, Bolero und Corona (mit Corona Commander II) sowie die Dreischneider Merit S und Zenith S digital vernetzen.


Die erste JDF-Integration des Klebebinders Corona wird derzeit in den USA realisiert.

Im Hardcover-Bereich setzt Müller Martini ebenfalls auf den digitalen Workflow. Alle mit dem Tele-Commander steuerbaren Maschinen (Buchlinie Diamant, Leseband-Einlegemaschine Ribbon 60, Buchstapler BLSD 650, Schutzumschlagmaschine Vesta) können in den JDF-Workflow integriert werden. Zusätzlich können auch die Fadenheftmaschine Ventura – und über einen separaten Leitstand – die Ableimmaschine Collibri in einen JDF-Workflow eingebunden werden.

In einen JDF-Workflow lässt sich auch die SigmaLine integrieren, die als erste industrielle Gesamtlösung für Book on Demand an der Drupa 2004 vorgestellt worden ist. Die SigmaLine verfügt über eine integrierte und durchgängige Liniensteuerung mit einer JDF-Schnittstelle. Diese vereint und koordiniert alle Funktionen des Prozess-, Auftrags- und Leistungsmanagements der kompletten Anlage. Dadurch sind mit höchstmöglicher Automatisierung schnellste Format- und Auftragswechsel bei minimalen Einrichtzeiten möglich. Die wichtigsten Informationen wie Linien-, Maschinen- und Auftragsstatus können am zentralen Bildschirm und auch auf allen lokalen Visualisierungen angezeigt werden.

Lohnt sich Vernetzung nur in mehrstufigen Betrieben?
Kleinere Betriebe verfügen oft nicht über die Ressourcen, um sich mit dem Thema Vernetzung auseinandersetzen zu können. Wie sieht es in einstufigen Betrieben aus? Lohnt es sich hier überhaupt auf Maschinen mit einer JDF-Schnittstelle zu setzen? Macht Vernetzung hier überhaupt Sinn?

Prinzipiell lässt sich sagen, dass der Unterschied zwischen ein- und mehrstufigen Betrieben gar nicht so relevant ist. In einem mehrstufigen Betrieb lässt sich theoretisch ein höherer Nutzen aus einer Vernetzung generieren, dies aber nur dann, wenn alle Stufen in den Vernetzungsprozess eingebunden sind. „Der Nutzen für einen einstufigen Betrieb sollte nicht unterschätzt werden“, unterstreicht Workflow-Experte Markus Schluep. „Eventuell muss man ein paar Handeingaben mehr vornehmen, weil die Daten nicht von der vorhergehenden Stufe übernommen werden können. Sonst sehe ich aber keinen wesentlichen Unterschied zu einer mehrstufigen Anbindung. Ein Job-Ticket, die Arbeitsvorbereitung und die Produktionssteuerung lassen sich auf Basis von JDF realisieren. Auch die BDE-Daten können mit JDF/JMF übermittelt werden, was ja eigentlich der grösste Nutzen des Workflows ist.“

In der Praxis zeigt sich, dass die Vernetzung eine fortschreitende Entwicklung ist. Oft entstehen zuerst „JDF-Inseln“, die dann schrittweise zusammenwachsen, bis alle Stufen vollumfänglich vernetzt sind.


Interne Vernetzung von der Druckvorstufe über die Plattenbelichtung, der Druckmaschine bis hin zur Weiterverarbeitung: Über eine einheitliche Schnittstelle kann die Anbindung von Sammelheftern, Klebebindern, Rotationsabnahmen und weiteren Müller Martini-Systemen erfolgen.


 

„Wir wollen den digitalen Workflow nicht mehr missen!“

Müller Martini hat zu Beginn dieses Jahres eine kleine Umfrage bei Sammelhefter-Kunden in Deutschland, Frankreich, den USA, Japan und Australien durchgeführt. Von den befragten Kunden haben 80 Prozent den digitalen Workflow in ihren Betrieben bereits eingeführt. Der überwiegende Teil von diesen Betrieben (> 90%) schätzt die Vorteile des digitalen Workflow und möchte ihn nicht mehr missen. Falls sie heute erneut vor der Frage stünden, würden sie den digitalen Workflow auf jeden Fall wieder einführen.

Als grösste Nutzen wurden folgende Aspekte am häufigsten genannt:
- Prozessoptimierung
- Kostenreduktion
- Höhere Produktivität
- Höhere Geschwindigkeit
- Höhere Prozesssicherheit
- Spürbare Senkung der administrativen Kosten (um bis zu 25%)

Als grösster Negativpunkt wird immer noch die unzureichende Einigkeit der Hersteller untereinander genannt. Diese gilt es zu verbessern, damit künftig möglichst alle Maschinen und Systeme in den digitalen Workflow integrierbar sind.(Quelle: Müller Martini)

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